Inventur Teil 2: Auswertung

Nachdem ich euch im letzten Post mit den Details zur Datenerfassung gelangweilt habe, darf ich euch dieses Mal die Ergebnisse meiner Auswertungswut präsentieren. Dabei bin ich absolut unsystematisch vorgegangen und habe jede Statistik persönlich gefälscht. Ich habe fast keine Ahnung, was euch interessiert und selbst nur eine grobe Ahnung, was mich eigentlich interessiert, weshalb die weiteren Worte womöglich wirr wirken.

Wer bis ganz zum Ende durchhält (oder runterscrollt), wird auch erfahren, warum ich das alles mache.

Unterstützt bei der Auswertung hat mich ausschließlich Excel, durch wirklich hilfreiche Vorschläge, die zu den erstaunlichsten Erkenntnissen führten (siehe Bild).

Überraschende Erkenntnisse dank Excel!

Ich werte hier die Daten ab meinem offiziellen Aufbruch aus Lemmer aus, also ab dem 26. Mai 2022.

Und noch vor der ersten Überschrift muss ich einen Teil von euch enttäuschen: Alles, was Finanzen betrifft, wird hier leider noch nicht betrachtet werden. Der Grund ist, dass ich was vermasselt habe und zunächst viele Sachen manuell machen muss, bevor ich da was auswerten kann.

Distanz

Im Reich der Logbücher herrscht Uneinigkeit! Die Tagesdistanzen aufsummiert ergeben ein wenig was anderes als die Differenz der Gesamtmeilen am Ende der Saison zu den Gesamtmeilen am Anfang der Saison. Das digitale Logbuch meint nochmal was anderes und den Stand der Distanz(Saison) habe ich nicht aufgeschrieben. Ich bin hier allerdings die Kaiserin über den Königen und deshalb erlaube ich mir zu entscheiden, dass das digitale Logbuch am rechtesten hat. Insbesondere, weil ich von dort einen CSV-Export machen kann. Wer geil auf Daten ist: Hier zum Spaß die Datei zum Download:

Laut der App hat die Robulla während meiner bisherigen Reise 1.509 Seemeilen zurückgelegt. Diese verteilen sind auf

  • 892 Seemeilen unter Segeln
  • 610 Seemeilen unter Motor

Irgendwo da reingerechnet sind 9,95 Seemeilen unter Anker oder festgemacht.

Die neue Maschine in Kombination mit dem 16“ Prop ist zwar echt gut, Robulla hat dennoch keine Stege hinter sich her geschlürrt. Solche Fehler passieren schon mal, wenn ich Robulla nur mal kurz um’s Eck bewegt habe, beispielsweise vom Ankerplatz vor dem Hafen zum Liegeplatz im Hafen.

Den nächsten Aufregungen vorweggreifend: Nein, ich motore nicht um die Welt. Meine Ambition ist es schon, möglichst viel Strecke unter Segeln hinter mich zu bringen. Aaaaber, meine noch größere Ambition ist es, überhaupt Strecke zu machen. Um dies zu erreichen, motore ich auch mal größere Distanzen. Das ist passiert, um von Dieppe nach Cherbourg zu kommen, von Aber Wrac’h nach Camaret und von A Coruna um das Cap Finistere herum. In allen Fällen wäre die Alternative gewesen, aus wettertechnischen Gründen länger an einem Ort zu bleiben, an dem ich nicht mehr bleiben wollte.

Weitere Meilen unter Motor habe ich außerdem gleich am Anfang meiner Reise gesammelt, als ich über die Staande Mast Route von Amsterdam bis Vlissingen gefahren bin. Das summiert sich auf rund 197 Seemeilen auf.

Jemand (Überraschung: ein alter weißer Mann) hat mir letztens zu verstehen gegeben, dass ich aufgrund meiner Motorerei, insbesondere wenn ich dabei Segel hochgezogen habe, gar keine richtige Seglerin bin. Kann ich mit leben. Ich sehe mich eh mehr allgemein als Reisende. Ich würde das auch zu Pferd mache, allerdings ist mobiles Arbeiten im Sattel unbequem und man findet auch eher einen Liegeplatz für das Boot als Ställe für Vorbeireiter.

Wenn ich Vlissingen nehme, um meine Saison in „Binnen“ und „See“ aufzuteilen, so habe ich 311 Seemeilen auf Binnengewässern und demnach 1.442 Seemeilen auf der See verbracht. Immerhin.

Ort

Wir haben selbstverständlich nicht nur Vlissingen besucht. Robulla habe ich in 30 verschiedenen Häfen und 12 weiteren Orten festgemacht. Unter „weitere“ zählen Ankerplätze, Mooringbojen oder auch die Inselchen am Veerse Meer. Somit habe ich im Schnitt 3 Tage jeweils an einem Ort verbracht. Die deutlichsten Ausreißer nach oben sind wenig überraschend Boulogne (11 Tage) und Les Sables D’Olonne (13 Tage). Wenig überraschend, weil dies die Häfen waren, in denen ich Robulla einsam zurückgelassen hatte, um Termine in Köln wahrzunehmen.

Die durchschnittliche Distanz zwischen zwei Liegeplätzen liegt somit bei ca. 36 Seemeilen. Rechne ich die beiden ganz langen Schläge raus, dann komme ich sogar nur auf um und bei 25 Seemeilen im Schnitt zwischen zwei Orten. Dies ist einer Kleinigkeit geschuldet, auf die ich im nächsten Abschnitt eingehen werde.

Unter ihrer Steuerbord-Saling hingen 5 verschiedene Gastlandflaggen. Den kürzesten Auftritt hatte dabei Belgien (1 Tag), den längsten Einsatz hatte Frankreich mit 76 Tagen.

Zeit

Die Aufdröselung in Motor- und Segelstunden erspare ich euch. Dabei würde eh auch nur bestätigt werden, was für ein Loser ich bin.

Insgesamt war ich vom 26. Mai 2022 bis 27. September 2022 auf Reise. Das sind also, wenn meine Berechnungen halbwegs korrekt sind, 126 Tage. Diese kann man wiederum so aufsplitten:

  • 50 Tage, an denen das Boot gefahren ist
  • 46 Tage ohne Fahrt, in Häfen
  • 14 Tage ohne Fahrt, vor Anker
  • 16 Tage ohne Fahrt, in Häfen, und ich in Köln

Das fand ich persönlich ernüchternder, als das Verhältnis segeln/motoren. 50 Tage sind nicht sehr viel, das sind nicht mal zwei Monate.

Aber! Und hier sollte eigentlich ein bisschen Trommelwirbel gespielt werden: Wenn man dieser geringen Anzahl Reisetage die Tatsache gegenüberstellt, dass 72 von den insgesamt 126 Tagen für mich total furznormale 8-stündige Arbeitstage waren, dann ist das ein ganz anderer Schnack! Daher kommt halt auch die relative kurze durchschnittliche Strecke zwischen zwei Liegeplätzen. Zwischen Feierabend und Schlafenszeit passen halt nur rund 5 Stunden segeln!

Selbst wenn ich meinen gesamten Jahresurlaub in der Zeit genutzt hätte, wäre ich nur auf 42 freie Tage + 3 Feiertage gekommen. So hatte ich insgesamt mit Urlaub und Wochenenden und eben den 3 Feiertagen 54 freie Tage. Diese habe ich zum Teil nutzen können, um längere Schläge zu machen, oder auch mal um mir ganz ohne Stress eine Stadt angucken zu können. Ich reise eben nicht nur, um mal irgendwo anzukommen, sondern auch um unterwegs schon Dinge zu entdecken. „Der Weg ist das Ziel“ und so. Dafür braucht man nun aber Zeit an einem Ort, deshalb mehr Hafen- als Reisetage.

Geschwindigkeit

Richtig wahnsinnig flott unterwegs war Robulla über die Biskaya. Der größte Teil der 10% schnellsten Einträge SOG findet man auf der Strecke. Im Schnitt war sie 5,8kn schnell. Also fast 11 km/h!!! Wuiiih.

Die durchschnittliche Geschwindigkeit über die gesamte Reise liegt bei 4,7 Knoten. Hier sind allerdings auch Hafenein- und ausfahrten mit einberechnet, die man eher in reduzierter Geschwindkeit absolviert. Meine Planungen habe ich bisher mit 4,5 Knoten gemacht, was hiermit offiziell als gute Planungsgeschwindigkeit bestätigt wird.

Damit war ich also im Schnitt zwischen zwei Liegeplätzen rund 8 Stunden unterwegs. Oder bei den Feierabendschlägen ziemlich genau die 5,5 Stunden zwischen Feierabend und Schlafenszeit.

Verrückt, wie das alles zusammenpasst!

What? So What? Now What?

In Debriefings nutze ich gerne dieses Schema aus „Liberating Structures“. Es geht darum, zunächst eine gemeinsame Basis aufgrund von Fakten zu schaffen („What“), diese dann zusammen zu interpretieren („So What“), um im letzten Schritt logische Maßnahmen daraus abzuleiten („Now What“).

Den Teil der Faktensammlung habe ich nun mit diesem Post abgeschlossen, und auch schon ein bisschen mit der Interpretation angefangen. Damit möchte ich gerne im nächsten Teil der Serie weitermachen und eben daraus meine Konsequenzen ziehen.

Eine Antwort zu „Inventur Teil 2: Auswertung“

  1. Avatar von Kokopelli
    Kokopelli

    Das Verhältnis Segel- zu Motormeilen hat mich 2019 bei der Reise von Griechenland nach Warnemünde auch erstaunt: 2154 sm unter Segeln, 1637 sm unter Motor. Da kann man echt froh sein, wenn die ersteren noch überwiegen. Also mach dir keinen Kopp, das Verhältnis wird im Mittelmeer noch ungünstiger.

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