O Porto!

Nachdem wir am Vorabend angekommen waren und die erste Nacht in der Douro Marina verbracht hatten, haben wir am Morgen den Check-In im Hafen gemacht. Der Empfang war extrem freundlich, es gab überschwängliche Informationen für Ausflüge, einen Tipp für eine Portwein-Verköstigung und oben drauf noch einen satten Rabatt auf den Liegepreis, Trans-Ocean-Mitgliedschaft sei Dank!

Erst die Pflicht

Die nächsten Tage hieß es dann: schaffe, schaffe. Solveig hatte noch ein paar Saison-Vorbereitungen zu treffen, bei mir ging es hauptberuflich um das Bruttosozialprodukt. Beiden Crews gemein war jeweils ein Problem mit dem Windanzeiger. Also mal auf dem einen Boot hoch in den Mast, mal auf dem anderen. Obwohl ich im Winter einen Kletterkurs in der Kletterhalle in Köln besucht hatte, und dort auch echt weit hoch geklettert war, bin ich trotzdem noch im Vollbesitz meiner Höhenangst. Also habe ich auf halber Masthöhe ein kurzes Päuschen eingelegt, mir überlegt, ob ich eigentlich noch alle Latten im Segel habe und beschlossen, geht. Also weiter hoch und den achteren Teil des Verklickers wieder geradegebogen. Selbstverständlich habe ich den Moment genutzt, um gleich auch noch einen Riggcheck durchzuführen. So gut das halt funktioniert, wenn man vor Panik zitternde Hände hat. Am nächsten Tag gab es auch ordentlich Muskelkater in den Beinen, da ich den Mast ganz eng mit ihnen umschlungen hatte. Wackelt aber auch echt schlimm da oben!

Donnerstag war Dreckswetter. Kalt und nass und windig. Karin und ich nutzten die Gelegenheit um zum Supermarkt „Continente“ oben auf dem Berg zu pilgern und einen großen Bunker-Einkauf zu erledigen. Laut Kommentaren in „Navily“ liefert dieser Supermarkt nämlich und so ergriffen wir die Gelegenheit, unsere leeren Boote wieder mit allen möglichen Basics zu versorgen. Das mit dem Liefern war dann auch gar nicht so unkompliziert und hat tatsächlich sieben Mitarbeiter des Supermarkts involviert. Den frischen Teil unserer Einkäufe nahmen wir direkt mit, der Rest sollte am nächsten Tag geliefert werden. Erst nachdem wir den Supermarkt verlassen und selbstverständlich schon alles gezahlt hatten meinte Karin, dass das schon sehr ungewohnt sei, da einfach drauf zu vertrauen. Schließlich hatten wir gar nichts an Dokumentation mitbekommen. Naja. Andere Länder und so, wir vertrauen einfach mal.

Dann das Vergnügen!

Freitags stand eine meiner Langfahrt-Lieblings-Beschäftigungen auf dem Programm: Wäsche. Manch einer sagt, Blauwassersegeln sei einfach, sein Boot an schönen Ort zu reparieren. Obwohl es das schon gut trifft, möchte ich durch „viel Zeit in Waschsalons an schönen Orten verbringen“ ergänzen. Ich bin aber zugegebenermaßen auch einfach zu faul, den Krempel im Eimer zu waschen. Wobei ich hier in Portugal zumindest auch noch die Option des öffentlichen Waschhauses hätte! Trocknen würde die Wäsche dann auf dem Parkplatz.

Pünktlich nach dem Kessel Buntes wurden auch unsere Einkäufe geliefert, sogar bis an die Boote. Noch kurz die Treppe und dann: Wochenende! Mein Boot war parat, Haushalt war erledigt, netter Besuch aus Bonn war da. Also ab nach Vila Nova de Gaia und dort erstmal einen Portwein und Pasteis de Nata zu uns genommen, eine ganz hervorragende Kombination ungesunder Zutaten.

Danach habe ich mich dann auch aufgemacht und bin gefühlt einmal durch die gesamte Stadt gelaufen. Fett wird man hier in Portugal vermutlich nur schwierig, scheint doch jede Stadt am Matterhorn gebaut zu sein. Es hat sich allerdings gelohnt, und nicht nur zwecks der Straffung meiner Waden. Neben den gefliesten Fassaden gefällt mir in Portugal, dass es offensichtlich noch viele kleine, stark spezialisierte Einzelhändler gibt. Es gibt den Obsthändler, den Menschen mit Leder und einen Lackspezialisten und vermutlich tausende weitere kleine Lädchen. Vollkommen unscheinbar von außen, mit verstaubten Schaufenstern, wenn sie denn überhaupt welche haben.

Den Abschluss meines Spaziergangs bildete der Weg zurück nach Gaia über die berühmte Brücke „Ponte Dom Luís I“, pünktlich zum Sonnenuntergang. Dabei wurde das frühlingshaft grüne Douro Tal wunderbar in warme Farben gehüllt und der Douro selber schimmerte, als wäre er aus reinem Gold.

Des Kardiologen Freund

Bevor wir Sonntags weiterziehen wollten, sind wir am Samstag mit Karin und Stephan erneut durch Porto marschiert und haben eine neue Entdeckung auf der Speisekarte verkosten dürfen. Die „Francesinha“ ist eine Spezialität Portugals, ein Sandwich bestehend aus zwei dicken Scheiben Weißbrot, Wurst, Speck, Schinken, einem Steak und Käse. Obendrauf kommt dann noch ein Spiegelei und nochmal Käse. Übergossen wird diese Versprechen eines Cholesterin-Problems mit einer leicht scharfen Sauce und dazu werden Pommes serviert. Vorzüglich!

Ganz vorzüglich ausklingen haben wir den Tag lassen bei einer Portwein-Verkostung, inklusive Führung durch die heiligen Hallen, in denen der Portwein entweder noch in Fässern reift, oder seine Zeit bis zum Verkauf in abgefüllten Flaschen absitzt. Interessantes Erlebnis und selbstverständlich fand auch eine Flasche Portwein Einzug auf die Robulla!

So ging dann auch unsere Zeit in Porto und auch unsere gemeinsame Zeit zu ende. Sonntags hieß es früh ablegen. Für Solveig ging es bis Cascais, da ich allerdings am Montag zeitig arbeiten musste konnte ich mir den langen Schlag nicht leisten und deshalb peilte ich Nazaré an.

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2 Antworten zu „O Porto!“

  1. Avatar von Kokopelli
    Kokopelli

    Wäschewaschen in der Douro Marina für vier Leute… Maschine nimmt nur 1- oder 2-Euro Münzen. Wechselgeldautomat: Fehlanzeige. Marina-Office: „wir wechseln nicht!“ Also ins Café und einen Espresso mit nem 20er bezahlt. „Aber bitte nur Münzen zurück!“ Der arme Kellner schien das Problem zu kennen.

    1. Avatar von Sailing Robulla

      Das ist mittlerweile nicht mehr so! Beim Check-In hat man uns schon angeboten, Münzen zum Waschen zu wechseln.

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