Es lebt.

Ich sitze mit meiner ersten Tasse Kaffee am Schreibtisch. Während Rüdi ihr erstes Morgen-Nickerchen auf ihrem Platz über mir hält, gehe ich einer meiner liebsten Beschäftigungen nach: Freunde stalken. Als Seglerin geht das dank Marinetraffic, Vesselfinder und Co ganz einfach. So kann ich die Reisen der Mana und der Mala, Witch und Aletis und ganz vielen anderen verfolgen. Zwei Boote stechen dabei heraus: die Newman und die Menami. Sie fahren gerade die Strecke entlang, die ich 2022 auch gesegelt bin: Niederlande, Belgien und jetzt die wunderschöne französische Küste entlang. Vor ihnen liegen das traumhafte Roscoff, Kanalinseln, die Abers, und dann erst die ganze atlantische Bretagne und es hört ja nicht auf! Virtuell mit den beiden Booten mitzusegeln weckt in mir eine Sehnsucht, die ich jetzt schon länger vermisst habe. Wobei, das ist falsch. Richtiger wäre: Die ich mir schon länger nicht mehr erlaubt habe.

Rückblick

Die letzten 11 Monate waren bezogen auf das Boot milde gesagt „schwierig“. Robulla lag vor einem Jahr im traumhaften Revier der Costa Smeralda. Im Juli und August habe ich sie verliehen, um selbst Zeit bei schönem Wetter in Köln verbringen zu können. Im September bin ich dann wieder an Bord und hatte vorgehabt, mir den Rest Sardiniens anzugucken und dann gemütlich über die Balearen und Gibraltar zum ab Anfang Dezember gebuchten Winterliegeplatz in Lagos an der Algarve zu bummeln.

Meistens kommt es aber anders.

Zurück an Bord habe ich Salzwasser in der Bilge festgestellt. Robulla war schon immer ein wenig nass in der Bilge, aber sonst immer Süßwasser. Teils durch undichtes Deck, teils durch leckende Tanks verursacht. Konnte ich mit Leben. Salzwasser ist aber dumm, das führt über kurz oder lang zu einem gesunkenen Boot. Also Krantermin organisieren und nachgucken, was los ist. Bedauerlich war, dass bei Robulla Pest, Cholera und Corona scheinbar gleichzeitig aufgetreten sind. Neben der Tatsache, dass sich die beiden Teile, aus denen sie zusammengesetzt ist, ihre Verbindung lösen wollten, hatte sie auch noch am Kiel deutliche Schrammen und außerdem sehr deutlich eine Osmose, die *jetzt* dann auch behandelt werden wollte. Ach ja, und außerdem noch eine krumme Antriebswelle. Somit war meine Segelsaison dann nach netto 2 Monaten auch schon wieder rum. Bis auf die Osmose konnte alles in Olbia gelöst werden. Die Sanierung des Unterwasserschiffs wollte ich aber aus Gründen (vorwiegend Masochismus) selbst machen und das geht in Italien eigentlich nicht.

Weiter geht’s

Deshalb ergab sich eine Tour de Force von Olbia nach Lagos, in der ich die Robulla innerhalb viel zu kurzer Zeit da rüber geprügelt habe und gleichzeitig noch meinen beruflichen Verpflichtungen nachkam.

Angekommen in Lagos hat Robulla auch sehr zügig ihren Landplatz bezogen und ist untenrum sandgestrahlt worden. Also erstmal nur so halb, denn die Werft wusste natürlich mal wieder besser, was die Eignerin eigentlich will, und hat mir ein Fleckvieh hingestellt. Wir konnten uns dann doch darauf einigen, dass alles Gelcoat weg muss.

Anyways. Robulla stand seit Anfang November halbwegs nackig rum und trocknete, Im Februar bin ich dann auch wieder hin um mit dem Neuaufbau anzufangen. Zwischenzeitlich ist Rüdi bei mir eingezogen und sie sollte dann auch ganz entspannt ihre Karriere als flauschige Matrosin starten dürfen. Begrüßt wurden wir durch schwimmende Bodenbretter, denn es hat reingeregnet. Das war schon ein bisschen prophetisch denn bis in den Mai hangelte ich mich von Problem zu Problem.

Ohne zu sehr ins Detail einzutauchen, hier die Liste all der Dinge, die gemacht wurden:

  • Die Unterzüge der Wanten richtig am Rumpf anlaminiert
  • Eine neue Frischwasserpumpe eingebaut
  • Den Mastfuß saniert
  • Ein neues Vorstag montiert
  • Alle Fenster im Aufbau abgedichtet
  • Die Verbindung zwischen oberer und unterer Hälfte des Rumpfes neu verfugt
  • Den Drehflügelpropeller gewartet und mit neuen Verschleißteilen ausgestattet
  • Ein überflüssiges Seeventil dicht gemacht
  • Den Geber für Tiefe, Geschwindigkeit und Wassertemperatur an den eigentlich dafür vorgesehenen Ort versetzt und das alte Loch geschlossen
  • Das Unterwasserschiff mit zig Schichten Epoxy, teils mit Barriercoat Zusatzmittel gestrichen
  • Den alten Wasserpass komplett entfernt und neu lackiert
  • Den Rumpf poliert
  • Neues F2 Eco Antifouling (Disclaimer: Affiliate Link) auf Rumpf und Propeller aufgetraben
  • Die Hälften des Skegs und des Ruders wieder zusammengeklebt
  • Ein neues Raymarine Alpha Display eingebaut
  • Dazu das Instrumentenbrett über dem Niedergang neu gemacht
  • Ein neues Funkgerät inklusive Nebenstelle im Cockpit eingebaut
  • Die Scheibe der Luke im Vorschiff neu eingesetzt
  • Die Rettungsinsel warten lassen
  • Das Rigg professionell trimmen lassen
  • Neue Motorlager eingebaut, weil eines gebrochen und die anderen kurz davor waren

Bereits in Olbia wurden zudem die Motorwelle, das Wellenlager und die Wellendichtung neu gemacht.

Der Spaß mit dem Motorlagern passierte, nachdem ich *endlich* das Boot im Mai wieder im Wasser hatte und dachte, ich könnte jetzt dann einfach segeln.

Muss das Boot gehen?

Das hat mir ehrlich gesagt den Rest gegeben und ich habe wirklich mit dem Gedanken gespielt, das Boot einfach zu verkaufen. Ich investiere richtig viel Geld in den Kahn und zuletzt hat er mir nur noch Frust und keinen Spaß mehr bereitet. Das ist nicht gut ist und wenn etwas nicht gut ist, sollte man es lassen. Mein Problem: Ich habe noch Pläne. Ich will mit Robulla auf jeden Fall noch zu den Azoren, auch ein kleiner Ausflug in die Karibik wäre nicht schlimm. Die eingangs erwähnte Sehnsucht ist doch da. Lediglich hat mir das Boot in den letzten 12 Monaten immer und immer wieder irgendwelche Steine in den Weg geschmissen. Ich will einfach wieder segeln. So wie damals, als Robulla noch nicht mein Leben bestimmte, sondern ich.

Mein aktueller Auftraggeber verbietet das Arbeiten aus dem Ausland. Und das meinen die so richtig ernst.  Auf das Geld bin ich derzeit sehr angewiesen, die Liste oben hat eine kräftige Kerbe in meine Finanzen geschlagen. Für mich ist das gerade aber ein Segen, denn ich habe Robulla wieder zu dem machen müssen, was für mich gesund ist: Ein Urlaubsboot.

Segeln allein braucht schon viel mentale Kapazität (Planung, Wetter, Gezeiten, Liegeplatzsituation, dies und das). Wenn man dann auch noch als Denkarbeiterin tätig ist und das versucht relativ zeitgleich mit dem Segeln zu machen, ergibt sich daraus schlicht und ergreifend Überlast. Wenn Frau also geistig gesund aus der Sache rauskommen möchte, sollte sie das trennen und das tue ich nun.

Urlaubsboot

Robulla hat einen tollen Jahresliegeplatz an der Algarve in Albufeira und hat dort sogar, das erste Mal im Laufe unserer Beziehung, auf Maß gespleißte Festmacher! Rüdi und ich verbringen eine tolle Zeit in Köln. Ich bin beruflich ziemlich ausgelastet und freue mich, dass ich mich darauf konzentrieren kann, einige Projekte weiter voranzutreiben. Bald es geht es für einen richtigen Urlaub aufs Boot und dann werden wir einfach nichts tun und vielleicht kommen wir wieder dahin, dass Freunde uns stalken.

Eine Kleinigkeit fällt mir dann noch auf. Diese Webseite ist bedauerlicherweise nicht so richtig aktuell. Ich habe das zu aktualisieren eben auf meine Aufgabenliste gesetzt und werde mich sicherlich irgendwann auch mal dran machen. Insbesondere, weil Rüdi hier noch gar nicht vorgestellt wurde und sie das aber sehr verdient hat. Falls du das noch nicht kennst: Schau doch mal auf meinem Youtube oder Instagram Kanal vorbei, dort habe ich fleißig über alles berichtet.

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